Hintergrund

Zum Hintergrund der Global Health Alliance

Um 2010 kamen zwei unterschiedliche Entwicklungen zusammen, um in Deutschland die Entstehung einer Global-Health-Lehrlandschaft anzustoßen. Beide kamen, nach entsprechender Kritik aus dem Globalen Süden, unmittelbar ganz überwiegend aus Nordamerika.

Anders als in Deutschland, wo Medizinstudierende sich ihre auch außerhalt Europas möglichen Plätze für Famulaturen und Praktisches Jahr selber suchen und bei ihrem Landesprüfungsamt anerkennen lassen, also ganz ohne Beteiligung ihrer Fakultäten ins Ausland gehen können, muss dies in den USA und Kanada von oder zumindest mit der jeweiligen Universität organisiert werden. Dadurch haben die Universitäten eine gewisse Verantwortung, Einflussmöglichkeiten und auch Eigeninteressen im Hinblick auf studentische Auslandsaufenthalte, die sie zumeist an Partneruniversitäten und mit Begleitung durch Lehrkräfte verwirklichen. Es kamen zunehmend Beschwerden von Partneruniversitäten, dass Medizinstudierende kulturell unsensibel, ohne Bewusstsein für die sozioökonomischen und gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen und mit mangelndem Respekt für Würde und Sicherheit von Patientinnen und Patienten agierten. Die deswegen geschaffenen „Pre-departure trainings“, unterstützt durch den Dokumentartfilm „First do no harm“, bilden einen Ausgangspunkt der Global Health-Lehre an nordamerikanischen Universitäten.

Die zweite, inhaltlich weitaus wichtigere Bewegung war der zivilgesellschaftliche Anspruch, an der Neugestaltung der Welt nach Ende des Ost-West-Konflikts mitwirken zu wollen und die globale Zusammenarbeit, wie sie auf dem Millenniumsgipfel vereinbart und angestoßen wurde, in Richtung größerer Gesundheitsgerechtigkeit zu lenken. Zahlreiche Gruppen und Regierungen aus dem Globalen Süden hatten entsprechende Forderungen erhoben. Neben der 2000 erneuerten Betonung des Menschenrechts auf den bestmöglichen Gesundheitsstand spielten auch die makroökonomischen Plädoyers für Gesundheitsinvestitionen und die zunehmend herausgearbeitete Bedeutung der Sozialen Determinanten von Gesundheit eine inspirierende Rolle.

Initiatoren der Bewegung für Global Health-Lehre in Deutschland waren die Nichtregierungsorganisation medico und eine Gruppe aus der Bundesvertretung der Medizinstudierenden Deutschlands (bvmd), die Globalization and Health Initiativ (GandHI). Erstere förderte 2010 die „Unitour“, auf der von medico und eingeladende Dozentinnen und Dozenten der Universitäten an einer Reihe von Standorten zu Themen von Global Health sprachen, um dort die Einrichtung entsprechender Lehrangebote anzuregen. Letztere publizierte 2009 die Denkschrift „Lehre am Puls der Zeit“, mit der Dekanate und mögliche Interessierte aufgefordert wurden, aus einer umfangreichen Liste von Themen verpflichtenden und freiwilligen Unterricht in Global Health einzurichten.

Nachdem so Anfang 2011 erste Erfahrungen mit solchen Kursen gesammelt worden waren, luden die an der Universität Marburg Engagierten zu einem ersten Wochenendtreffen zum Austausch und zur Formulierung von gemeinsamen Zielen. Auf diesem Treffen gründete sich die Global Health Alliance als bewusst informeller, damals leitungsfreier Zusammenschluss von Lehrenden und Studierenden, zu diesem Zeitpunkt überwiegend an medizinischen Fakultäten, aber mit verschiedenen Kompetenzen und Interessen, die weit über Krankenversorgung und andere unmittelbare ärztliche Aufgabengebiete hinausreichten. Schon damals umfasste der in Global Health angebotene Unterricht auch das Menschenrecht auf Gesundheit aus juristischer Perspektive, Interkulturalität aus ethnographischer, Ernährung aus agrarwissenschaftlicher sowie Klimawandel und Gesundheit.

Die GHA-D seit 2016

2016 wurde die Global Health Alliance durch den Wunsch das Engagement für Global-Health-Lehre weiter an (medizinischen) Fakultäten in Deutschland weiter intensiv voranzutreiben, neu belebt. Studierende aus ganz Deutschland, insbesondere getragen durch die Organisationen bvmd, GandHI, IPPNW und UAEM hatten Anfang 2016 das Kooperationsprojekt „Global Health Deutschlandweit“ gegründet, mit dem Ziel Global-Health-Lehre an (medizinischen) Fakultäten in Deutschland flächendeckend zu verankern. Im November 2016 fand ein zweitägiges Treffen „Global Health@University“ in Berlin statt, mit dem Ziel einen Austausch der verschiedenen in Global-Health-Lehre engagierten Akteure zu ermöglichen, über den derzeitigen Stand der Lehre zu Global Health in Deutschland zu informieren und konkrete Ziele zur Stärkung und Ausweitung von Global-Health-Lehre zu erarbeiten. Bei diesem Treffen waren auch Mitglieder der Global Health Alliance aktiv involviert und es wurde der Entschluss gefasst, beide Initiativen zusammenzubringen, mit dem Ziel eines gemeinsamen Engagements von Lehrenden aus der Global Health Alliance und Studierenden von Global Health Deutschlandweit. Es wurde eine Art „Mentoring“ Arbeitsweise beschlossen, bei dem jeweils in Arbeitsgruppen ein Dozent oder Dozentin mit einem/einer Studierenden zusammenarbeiten.


2017 fand das nächste Treffen der Initiative in Würzburg statt, die sich nun als Global Health Alliance-Deutschland (GHA-D) auch namentlich fusionierte. In diesem Rahmen wurde auch die Struktur des Netzwerkes in Form von thematischen Arbeitsgruppen beschlossen, die von einem Koordinationsteam geleitet werden, und eine Homepage ins Leben gerufen. Seither findet die Kommunikation und Projektarbeit der GHA-D im Wesentlichen über E-Mail Verteiler, regelmäßige Telefonkonferenzen sowie in weiteren physischen Treffen 2018 in Heidelberg und 2019 in Berlin statt.

2018 wurden zwei Beiträge der GHA-D in Fachzeitschriften veröffentlicht und im gleichen Jahr beteiligte sich die GHA-D intensiv an dem Strategiepapier der Jugend zur Globalen Gesundheitspolitik der Bundesregierung.

2019 wurde das Projekt „Forschung mit Weitblick – ein Handbuch für Studierende mit Interesse an Global-Health-Forschung“ der AG Forschungsplattform veröffentlicht. Außerdem wurde ein Kompendium "How-to-Wahlfach" in Zusammenarbeit mit der Initiative GandHI der bvmd und UAEM erstellt. Seit 2019 stellt die GHA-D auf ihrer Homepage auch eine Übersicht an deutschlandweiten Lehrangeboten zu Global Health sowie verschiedenen Global-Health-Studierendeninitiativen zur Verfügung. Außerdem haben die GHA-D und GandHI gemeinsam eine neue Initiative zur Vernetzung von im Bereich Global Health Aktiven und Interessierten gestartet.

Weitere jährliche Arbeits- und Vernetzungstreffen sind geplant.